Geschichte

In der Geschichte der Laurins Tafelrunde Bozen lassen sich verschiedene Phasen feststellen, Phasen, die sich auch voneinander sehr stark unterscheiden, teils aufgrund interner Veränderungen, teils aufgrund von externen, meist historischen Ereignissen (Weltkriege, Faschismus).
In jedem Falle: Die Laurins Tafelrunde hat trotz aller Wirren und aller Hindernisse bis zum heutigen Tag – wenn auch mit einigen Unterbrechungen überlebt.
An dieser Stelle eine kurze Zusammenfassung des mittlerweile knappen Jahrhunderts unserer Geschichte.

Die Entstehung (1906-1913)

Diese erste Phase unserer Verbindungsgeschichte ist von ständigen Veränderungen und Turbulenzen gekennzeichnet, von Gründungen, Auflösungen und Neuformierungen.
Zum besseren Verständnis (auch der entsprechenden Daten) sei erwähnt, daß bereits seit 1903 am Franziskanergymnasium Bozen eine nichtfarbentragende Korona/Verbindung mit dem Namen „Gaudeamus igitur“ existierte, die dieselben Prinzipien hatte wie die spätere Laurins Tafelrunde, allerdings laut erhaltenen Aufzeichnungen mehr musische Schwerpunkte setzte. Die „Gaudeamus“ existierte bis 1922.

Im September 1906 jedenfalls führten zwölf Gymnasiasten des Franziskanergymnasiums Bozen, unserer Stammschule, im Gasthof „Pfau“ in der Bindergasse erstmals Gespräche über die Gründung einer sog. Kneiprunde, die noch keine festen Strukturen hatte. Sehr wohl hatte sie aber in Raimund Berger v/o Faßl einen Gründungssenior.
Bald darauf lösten sich die „Gaudeamus“ und diese Kneiprunde, die dabei auf den Namen „Laurinstafelrunde“ getauft wurde, als Einzelvereinigungen auf, gründeten aber zusammen die sog. Obergymnasialkneipe (bis 1910).
Um sich von den Mitgliedern der „Gaudeamus“ zu unterscheiden, welche im studentischen Cantus „Gaudeamus igitur“ eine Art Bundeslied hatten, wählte die jüngere Runde das Lied „Und wenn sich der Schwarm“ als Gegenstück. Da dabei besonders die Passage „die Ritter der Gemütlichkeit“ hervorgehoben wurde, wurden die Mitglieder in der Folge als „Laurins Ritter“ bezeichnet.

Im Februar 1907 gründete man erstmals eine farbentragende Verbindung. Dieser Gedanke wurde bald darauf jedoch wieder fallengelassen, um ca. ein Jahr später wiederaufgegriffen zu werden, nämlich bei der Gründung einer Korona und farbentragenden Verbindung.
In der Folge wird die Verbindung zweimal (1909, 1912) unter dem Druck des Landesschulinspektorats aufgelöst, doch immer wieder finden sich ein paar begeisterte Studenten, die sich nicht unterkriegen lassen und weitermachen.
Aus dieser ersten Phase stammen bereits wesentliche Einrichtungen und Kennzeichen der Laurins Tafelrunde, welche auch heute noch Gültigkeit haben. So etwa unsere Fuchsen – und Philisterstrophe (2. Burschen-, Fuchsenstrophe), der Fuchsenritt, der Hansl (Verbindungs-horn), die Bierzeitung und letztendlich, nach mehreren verschiedenen Kombinationen, auch unsere Farben Blau-orange-grün und unser Zirkel.
Kneipen und Kommerse wurden abgehalten. Eingeführt wurden unter anderem das Leibburschentum, ein Philisterium, ein Comment und wissenschaftliche Abende. Wichtig ist auch noch die Dr.cer.-Promotion des oft als zweiten Gründungssenior bezeichneten Guggenberger v/o Laurin, von dem unser heutiges Bundeslied stammt.

Die „Athesia“ und die Folgezeit (1913-1923/25)

Im Mai 1913 wurden die beiden Koronen in Form der „Athesia“ vereint, allerdings mit den Farben der LTR. In diese Zeit fallen die freundschaftlichen Kontakte zur Aquileia Meran, sowie zu den Trientner Verbindungen Laurina und Cimbria (ehem. Concordia; spätere Cimbria Kufstein), was sich in der Gründung eines STMCV niederschlägt.
Der Athesia, die ein eigenes Wappen hatte, verdanken wir unsere heutige Burschenstrophe. Doch bereits im Frühjahr 1915 erfolgt die Auflösung der „Athesia“ und eine Aufspaltung in die beiden schon vorher bestehenden Koronen. Trotz des inzwischen ausgebrochenen Ersten Weltkrieges und des eingetretenen Kriegszustandes mit Italien wurde das Verbindungsleben aufrechterhalten, wenn auch einige Bbr. im Krieg ihr Leben lassen mussten (z.B. der bereits genannte Guggenberger v/o Dr. cer. Laurin).

Erwähnenswert aus dieser „Folgezeit“ ist das Freundschaftsverhältnis zur Aquileia Meran, ein neues Wappen, sowie eine Auseinandersetzung zwischen der eben erst wiedergegründeten Altherrenschaft und der Aktivitas der LTR. Dieser Zwist hatte zur Folge, daß am Franziskanergymnasium Bozen der Laurins Tafelrunde eine weitere Konkurrenz entstand: die KDStV Südgau Bozen.
Das Verhältnis zu dieser Pennalie war von mehr als nur Rivalität geprägt, doch sie bedeutete für die Existenz der Laurins Ritter keine Gefahr. Beide Verbindungen wurden unter dem zunehmenden Druck des Faschismus etwa zur selben Zeit sistiert: in den Jahren 1923-25.

Vom Wiederbeginn bis zur letzten Sistierung (1956-1976)

Nach dem Faschismus und den verheerenden Folgen des Zweiten Weltkrieges war an einen sofortigen Neubeginn natürlich nicht zu denken, doch langsam, langsam formierte sich der harte Kern der Philister aus der Zeit vor dem Faschismus und dachte bald schon an eine Reaktivierung.
Diese erfolgte schließlich im Mai 1957, vor allem aufgrund des Einsatzes des damaligen Phil-x Josef Wohlgemut v/o Iwein und des x Josef Nothegger v/o Tito (BI; Urkorporation: Babenberg Graz im CV). Für ihr Engagement wurden sie in der Folge zu Dr.cer. Dr.cer. promoviert.

Aus dieser Phase der Verbindungsgeschichte der Laurins Tafelrunde stammen auch die freundschaftlichen Beziehungen zu den andren Südtiroler Mittelschülerkorporationen, die sich schließlich in der Gründung des STMV niederschlugen.
Die LTR tauschte ihr Band mit Laurinia Brixen, Aquileia und Waltharia Meran. Auch die guten Beziehungen zu unserer Patenverbindung Teutonia Innsbruck, die damals unterstützend mitwirkte, gehen auf diese Zeit zurück.
Weiters wurden die Altherren der ehemaligen Südgau Bozen mit deren Zustimmung in die LTR aufgenommen. Leider fehlt aus den sechziger und siebziger Jahren das gesamte Archiv, so daß die Rekonstruktion des weiteren Verbindungslebens aus dieser Zeit bis heute nicht möglich ist. Lediglich über eines herrscht Klarheit: über die Gründe der Sistierung der Verbindung im Jahre 1976 (Differenzen in der Aktivitas, Rauswurf „linkslastiger“ Mitglieder).

Von der Reaktivierung 1993 bis heute

Die beiden Burschen der AV Austria Innsbruck Justin Brachetti v/o Asterix und Lorenz Wohlgemuth v/o Halvar nahmen 1992 Kontakt mit der Altherrenschaft der LTR auf und beschlossen mit dieser, die Verbindung zu reaktivieren, was unter tatkräftiger Mitwirkung unserer Patenverbindung Teutonia auch im Februar 1993 gelang (mit der Reception von 11 Füchsen).
Die Verbindung nahm wieder geregelten Betrieb auf und knüpfte bald schon feste Kontakte zu den anderen Mittelschulkorporationen in Tirol.
Was diese jüngste Phase der Geschichte der LTR aber von den anderen unterscheidet, ist das Bemühen, der Verbindung auch durch die Beschaffung von Gegenständen, die ihr bisher fehlten, eine Struktur zu verschaffen.
So wurden z.B. ein Rechtsbuch und ein Comment erstellt, neue Schläger und Fläuse (AIn) besorgt. Außerdem wurde im Jahre 1994, zum ersten Mal in der Verbindungsgeschichte, eine Fahne geweiht und Freundschaftsurkunden mit der Teutonia Innsbruck ausgetauscht. Vier Mitglieder der TTI erhielten wegen ihres Engagements bei der Reaktivierung auch das Band der LTR. Die beiden Reaktivierer wurden im November 1994 zu Dr.cer. Dr.cer. promoviert.

Die Kontakte zu anderen Mittelschulkorporationen führten seit der Reaktivierung zu vielen gemeinsamen Veranstaltungen (Kreuzkneipen, gegenseitiger Besuch bei Stiftungsfesten, usw.), und die Laurins Ritter besuchten auch zahlreich die diversen Schulungen von TMV und MKV. Aus diesem intensiven Austausch heraus entstand der Wunsch, dem Tiroler Mittelschülerverband beizutreten, da der STMV die Aufgaben und Zwecke eines Verbandes nicht zu erfüllen vermochte. Nach der Überwindung verschiedener Hindernisse und langen Verhandlungen mit MKV und TMV (insgesamt über ein Jahr) konnte das Ziel mit der Unterzeichnung eines Abkommens zwischen LTR und MKV durch Philistersenior Dr. Klaus von Ach v/o Einstein und Senior und Verhandlungsführer Georg Mayr v/o Parzival im Juni 1996 erreicht werden. Seit diesem Zeitpunkt ist die LTR vollberechtigtes Mitglied im TMV und nimmt regelmäßig an allen Veranstaltungen des Verbandes teil.

Ende April 1996 kamen über 250 Bundes- und Kartellbrüder, Damen und Gäste zum 90. Stiftungsfest der Laurins Tafelrunde nach Schloss Prösels, um zusammen mit der jubilierenden Verbindung dieses würdige Ereignis zu feiern. Die Festrede hielt Lorenz Wohlgemuth v/o Dr.cer. Halvar, den beiden Landesräten Dr. Bruno Hosp und Sepp Mayr wurde für ihre Verdienste das Band der LTR verliehen. Die dreitägige Feier der damals mitgliedsstärksten Verbindung in Tirol (29 Aktive) ist heute noch vielen Kommersbesuchern in Erinnerung.

Auch das Jahr 1997 war reich an Ereignissen: Im Rahmen des 91. Stiftungsfestes auf Schloss Sigmundskron wurde ein Urkundentausch mit unserer jüngsten Freundschaftsverbindung, e.v. Jung-Dietrich Wien (JDW), vollzogen. Der Kontakt zu den Wiener Kartellbrüdern war bereits seit einigen Jahren durch gegenseitige Besuche bei Stiftungsfesten intensiviert worden. Zwei Jahre nach diesem würdigen Ereignis erhielt der Philistersenior der JDW, Dr. Gerhard Artl v/o Wallenstein, für seine Bemühungen um die Freundschaft zwischen LTR und JDW das Band der LTR verliehen.

Der eigentliche Höhepunkt jenen Jahres folgte jedoch im WS 1997/98: Erstmals in ihrer Verbindungsgeschichte konnte die Laurins Tafelrunde eine eigene Bude beziehen, und zwar im Nebengebäude des Eucharistinerklosters in der Rauschertorgasse Nr. 6. Eine eigens eingesetzte Budenkommission rund um den dreifachen Senior Peter Brachetti v/o Achill hatte es geschafft, nach intensiven Verhand-lungen mit den Vertretern des Klosters diese Bleibe für die LTR aufzutreiben. Bis die Bude in ihrem heutigen Zustand präsentiert werden konnte, bedurfte es allerdings noch großer (physischer sowie finanzieller) Anstrengung: Den ganzen Sommer über schuftete die Aktivitas auf der Baustelle „Bude“ und vollbrachte eine wahre Meisterleistung, wie spätestens bei der feierlichen Eröffnung sichtbar wurde.
Eine Vielzahl von Gästen aus Nord- und Südtirol konnte Senior Matthias Hosp v/o Caligula zur Einweihung der Bude durch den späteren Verbindungsseelsorger P. Andreas Trompedeller begrüßen. Auch für zwei weitere Bundesbrüdern hatte die Budeneröffnung „Spätfolgen“: Dr. Bruno Hosp, der sich intensiv um die Organisation und die Verhandlungen mit den Eucharistinern gekümmert hatte, und Arch. Raimund Knopp v/o Bacchus, der die Bude entworfen hatte, wurde zum Dank für ihren Einsatz das Ehrenband überreicht.
Nach über 90 Jahren ihres Bestehens hat die Laurins Tafelrunde seitdem erstmals einen offiziellen Vereinssitz.

In den darauffolgenden Jahren ging der Aufschwung ein wenig zurück, die „Reaktivierungsgeneration“ verließ Bozen und ging des Studiums wegen nach Innsbruck oder Wien. Trotzdem kamen und kommen gerade die „jungen“ Alten Herren der Laurins Tafelrunde noch häufig zu sämtlichen Veranstaltungen unserer Verbindung. Besonders intensiv sind nach wie vor auch die Kontakte zu unserer Freundschaftsverbindung Teutonia, wovon mehrere gegenseitige Besuche jedes Jahr Zeugnis geben. Die Laurins Tafelrunde nimmt nach wie vor an den zahlreichen Veranstaltungen und Schulungen des Tiroler Mittelschülerverbandes teil und fährt jedes Jahr zum Pennälertag des MKV.
In Bozen konnte sich unsere Verbindung mittlerweile auch verstärkt in das Bewusstsein der Bevölkerung rücken: Die Teilnahme an Prozessionen oder das Errichten eines eigenen Standes beim Bozner Stadtfest (seit 1999) sind hier als herausragende Beispiele zu nennen.
Den letzten großen Höhepunkt in der jüngeren Geschichte der Laurins Tafelrunde bildete das 100. Stiftungsfest im Herbst 2006, das vor weit über 100 Bundes- und Kartellbrüdern im Schloss Maretsch begangen werden konnte.
Anfang 2013 feierte die Verbindung 20. Jahre Reaktivierung.